Warum vegane Boxhandschuhe nicht die Welt retten

Warum vegane Boxhandschuhe nicht die Welt retten
August 23rd, 2016 Jan Lenarz
Jan Lenarz
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Als ich Ende 2012 die Idee hatte, nachhaltige Boxhandschuhe zu entwicklen, hatte ich wenig Vertrauen in diese etwas ungewöhnlichen Idee. Klar, ich wusste, dass in meinem Gym zahlreiche Kampfsportler*innen so tickten wie ich und dass es weltweit sicher ein paar Menschen gibt, die Bedarf nach veganen Boxhandschuhen haben. Aber dass das kein Massenprodukt wird und ich wenig Aufmerksamkeit bekommen werde war mir von Anfang an klar. Umso überraschter war ich, als die erste Auflage von 100 Paar in wenigen Tagen ausverkauft war und ich Anfragen von allen Seiten bekam. Schon wenige Tage nach Verkaufsstart wurde Vehement für den größten deutschen Nachhaltigkeitspreis für Endkunden-Produkte nominiert. Das war damals unglaublich und mir unverständlich. Was war an Kunstleder-Handschuhen so innovativ? Doch das gute Feedback riss nicht ab und ich verstärkte meine Bemühungen wirklich nachhaltige Sportausrüstung zu produzieren. Über die Monate fühlte ich mich dann wirklich als Teil einer neuen Bewegung. Sozial-Unternehmertum war zu dieser Zeit der neueste Scheiß in der Wirtschaftswelt und ich war mittendrin.

Konsum ist Teil des Problems

In den vier Jahren voller Höhen und Tiefen verließ mich der Zweifel, dass wir mit Vehement eventuell die Welt nicht wirklich besser machen aber nie, und das ist auch gut so. Denn heute bin ich mir sicher: Konsum kann nie die Antwort sein. Auch nicht, wenn er nachhaltig ist. Wahrscheinlich sollte ich aus unternehmerischer Sicht genau das Gegenteil behaupten, und betonen, wie gut unsere Produkte für die Umwelt sind. Aber das trifft auf Vehement genauso wenig zu wie auf alle anderen Öko-Artikel, denn:

  • Konsum vermeidet weder Müll, noch schont er Ressourcen
  • Auch ein ökologisches Produkt verursacht CO2
  • Verzicht ist immernoch das beste für die Umwelt
  • Gebrauchte Second Hand Ausrüstung ist besser als noch so faire und nachhaltiges Equipment
  • Auch Bio-Baumwolle vebraucht Wasser und laugt Böden aus
  • Auch der Versand von nachhaltigen Produkten verbruacht Treibstoff

Das klingt erstmal selbstverständlich, aber mit all den grünen Zertifikaten kann man sich schnell täuschen lassen. Es ist und bleibt Konsum und dieser kann niemals zur Verbesserung des Naturschutzes dienen. Einkaufen für eine gute Welt ist ein Widerspruch in sich. Neulich las ich auf einer Flasche Bio-Apfelsaft „Wir geben ein klares Versprechen: Wenn Du diesen Saft trinkst, tust du etwas Gutes. Dir und Deiner Umwelt.“ Und das ist nichts anderes als eine große Lüge. Der Umwelt würde es sicher besser gehen, wenn niemand Apflesaft aus 0,33-Liter-Flaschen vom Kiosk trinkt. Sondern Leitungswasser.

Das mag pessimistisch klingen, aber ich möchte das an dieser Stelle gar nicht bewerten. Es sind nur Fakten, die jedem unserer Kund*innen bewusst sein sollten.
Aber ich weiß auch, dass nachhaltiger Konsum immerhin die bessere Alternative ist. Denn Menschen brauchen numal ein paar Produkte und solange Verzicht keine Option ist, ist eine grüne Alternative das geringere Übel. Und nicht mehr und nicht weniger möchte ich mit Vehement bieten: eine bessere Wahlmöglichkeit. Denn die gab es vor Vehement einfach nicht. Diese Alternative geschaffen zu haben, drauf bin ich stolz. Und ich bedanke mich bei allen Kund*innen, die mich auf dem Weg dahin unterstützt haben. Ihr alle habt etwas mehr gezahlt, um etwas Besseres zu unterstützen und das erfüllt mich auch nach vier Jahren Vehement jeden Tag aufs neue mit Glück.

Jan Lenarz

Jan hat Vehement 2012 gegründet, nachdem er es leid war mit hässlichen und minderwertigen Plastik-Handschuhen zu trainieren. Er trainiert seit zehn Jahren hauptsächlich Muay Thai und arbeitet als Rettungshelfer beim Deutschen Roten Kreuz und ist als Verleger tätig.

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